Ertragsreduktion
Wer im Sommer durch den Rebberg spaziert, sieht stellenweise Trauben am Boden liegen und fragt sich: «Was ist denn hier passiert?»

Trauben am Boden zwischen den Rebzeilen.
Kein Unwetter, kein Schädling — das gehört zur Rebarbeit. Ertragsreduktion: ein Teil der Trauben kommt weg, damit die verbleibenden einen besseren Wein geben.
Dieses Jahr sind wir etwas früh dran, der Farbumschlag setzt gerade erst ein. Das Protokoll ist ähnlich wie letztes Jahr:
- Zwei Trauben pro Schoss.
- Was nicht bis unter den oberen Draht hängt, kommt weg.
- Die erste Schulter kommt weg.
- Ist die Traube satt: halbieren. Ist sie locker: Spitze weg.
Zwei Beispiele, eine satte Traube (links) und eine normale (rechts):

Links die satte Traube, rechts die normale.
Die satte wird halbiert: von 158 auf 113 Gramm. So bekommen die verbleibenden Beeren Platz zum Wachsen — sonst würden sie sich beim Zulegen gegenseitig zerdrücken.

Die satte Traube nach dem Schnitt: der obere Teil bleibt am Stock, der untere fällt.
Bei der normalen kommen die erste Schulter und die Spitze weg: von 103 auf 68 Gramm. Beide sind typischerweise von geringerer Qualität — weniger Zucker, weniger Reife als der Mittelteil.

Die normale Traube: links die erste Schulter, unten die Spitze — beides fällt. Die Mitte bleibt.
Pro Traube fallen so rund 30 Prozent weg. Der Endertrag ist das noch nicht: bis zur Lese legen die Trauben noch um bis zu 40 Prozent an Gewicht zu.