Muttenz oder Toskana?
Der Boden zwischen den Zeilen ist strohgelb, die Sonne brennt, der Himmel wolkenlos. Das Bild könnte aus der Toskana stammen. Aufgenommen ist es in Muttenz.

Rebberg «Auf Offenburg», Juli 2026. Grüne Zeilen, brennende Sonne — und dazwischen strohgelber Boden.
Das Wetter ist dieses Jahr das grosse Thema im Rebberg. Das Rebjahr startete bereits fulminant und früh:
- Die Blüte kam früh, in der ersten Juniwoche.
- Der Farbumschlag setzte um den 20. Juli ein — ebenfalls früh.
Beides sind Zeichen für ein warmes Jahr. Wirklich heftig sind dieses Jahr aber die Hitze und die ausbleibenden Niederschläge. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt es. Eine eigene Wetterstation hat Muttenz nicht; die nächste mit langer Messreihe steht in Binningen, rund 6 km entfernt, im gleichen Rheintal-Klima.
Warm und trocken, Monat für Monat. Der Juni war rund vier Grad zu warm und brachte nur etwa ein Viertel des üblichen Regens. Über das erste Halbjahr fielen keine zwei Drittel der normalen Niederschlagsmenge — Basel-Binningen steuert auf eines der trockensten Jahre seit Messbeginn 1864 zu.
Das merken die Reben, vor allem die jungen. Ihre Wurzeln reichen noch nicht tief genug, um sich das Wasser aus der Tiefe zu holen:
- Sechs Jungreben haben wir dieses Jahr gepflanzt. Die giessen wir regelmässig.
- Auch ältere Stöcke, jünger als fünf Jahre, brauchten gelegentlich Wasser.
Den etablierten Reben geht es, den Umständen zum Trotz, gut. Ein Unterschied zeigt sich zwischen den Sorten: der Zweigelt kommt mit der Hitze gut zurecht, besser als der Diolinoir.
Ein warmer, trockener Sommer verspricht einen guten Jahrgang: reife Trauben, viel Zucker, wenig Fäulnis. Zwei Dinge haben wir dabei in der Hand:
- Die Menge. Bleibt es trocken, fällt der Ertrag kleiner aus. Das kommt uns entgegen, wir reduzieren den Ertrag ohnehin. Weniger Trauben, dichtere Weine.
- Die Reife. Viel Sonne bringt viel Zucker, und Zucker allein macht noch keinen guten Wein. Der Lesezeitpunkt entscheidet, ob Kraft und Frische zusammenkommen.
Ob der Toskana-Sommer einen grossen Jahrgang hervorbringen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Wir sind gespannt!
Unseren Wein gibt's hier: haeusler-wein.ch